Berichte aus der AN/AZ vom 19.2.2009
Sascha Klein: Eine noch spektakulärere Serie
Aachener arbeitet auf dem Turm an neuen Höchstschwierigkeiten. Auch Pavlo Rozenberg im Umbruch
VON HELGA RAUE
Berlin/Aachen. Er springt schon die schwerste Serie in der Welt doch sie soll noch spektakulärer werden. Daher verzichtete Sascha Klein bei der DM der Wasserspringer in Berlin auch auf seinen Start vom Turm. Und der Vize-Europameister wird auch bei der EM Anfang April in Turin nicht um eine Medaille kämpfen. Zumindest nicht alleine vom Turm.
,,Wir sind noch nicht so weit mit den neuen Sprüngen. Unsere Planung ist daher ganz auf die WM im Juli in Rom ausgerichtet", sagt sein Trainer Boris Rozenberg. Zwei EM-Medaillen darf man von dem 23-Jährigen erwarten, denn mit Pavlo Rozenberg vom Drei-Meter-Brett sowie mit Patrick Hausding (Berlin) vom Turm zählt der Olympia-Fünfte bzw. -Zweite zum Besten, was es in Europa gibt.
Boris Rozenberg ist nach der DM zufrieden mit seinen Schützlingen, ,,Ich teile die Saison in zwei Teile, in das Frühjahr mit der World Series, wo die beiden synchron antreten, und der EM. Und den Sommer mit der WM als absolutem Höhepunkt.“ Und wie sein Aachener Trainingspartner wird auch Pavlo Rozenberg dann vom Brett eine neue Serie zeigen. ,,Zudem darf man nicht vergessen, dass die beiden nach Urlaub und Bundeswehrzeit erst seit sechs Wochen wieder trainieren.“
Klein verbuchte wie erwartet die beiden DM-Synchrontitel, zudem holte der 23-Jährige Silber vom Brett. ,,Sascha hat eine sehr konstante Leistung gezeigt", lobte Rozenberg. Sein Sohn Pavlo, als Olympia-Fünfter der Brett-Spezialist und nach dem Halbfinale knapp vor Klein, machte nach drei sehr guten Sprüngen, die im Schnitt mit 80 Punkten bewertet wurden, einen Fehler beim dreieinhalbfachen Auerbachsalto und rutschte auf Platz 3 ab.
,,Trotzdem war ich sehr zufrieden, denn es war schon ein starker Wettbewerb", bilanzierte ,,Pascha", der bis zur WM ebenfalls seine Serie vom Brett verändern will. Gemeinsam mit Sascha, mit dem er in Peking Rang 6 belegte, wird der 25-Jährige auch synchron einen neuen Sprung einbauen.
,,Nachdem ich in den letzten Jahren das Brett ein wenig zurückgestellt hatte, habe ich im Winter daran verstärkt gearbeitet“, war Klein mit dem Ergebnis rundum zufrieden. Die beiden Synchron-Medaillen waren von ihm erwartet worden. ,,Doch auch das geht nicht von selbst", verwies der 23-Jährige auf den Brett-Vorkampf, in dem die Favoriten Zweite waren. ,,Aber im Finale sind wir dann mit über 438 Punkten einen neuen Rekord gesprungen.“ Nun geht es Schlag auf Schlag: Bereits nächste Woche steht der Springertag in Rostock auf dem Programm.
Uschi Freitag knackt Marke
Die Neptun-Athletin ist mit erstmals mehr als 300 Punkten in die internationale Spitze vorgestoßen.
Medaillen für Norman Becker und Benedikt Donay.
VON HELGA RAUE
Berlin/Aachen. Drei Gold-, sechs Silber- und drei Bronzemedaillen — die Ausbeute des SV Neptun Aachen bei den Deutschen Meisterschaften der Wasserspringer in Berlin kann sich sehen lassen. Voran gingen erneut die Aushängeschilder Sascha Klein und Pavlo Rozenberg (siehe Artikel oben), die alleine vier Medaillen - einmal Gold zusammen - einfuhren. Daneben machte speziell Uschi Freitag auf sich auf aufmerksam. Die 19-Jährige gewann jeweils Silber vom Ein- und Drei-Meter- Brett. ,,Sie hat den Sprung in die internationale Spitze geschafft", freute sich ihr Trainer Andreas Becker vor allem, dass sein Schützling vom „Dreier" endlich die magische 300-Punkte-Marke übersprang. Einziger Wermutstropfen: Ganz knapp verpasste die Aachenerin die EM-Qualifikation. ,,Es fehlten nur drei, vier Punkte", bedauert die Athletin, doch die Freude über die gute Leistung überwiegt. Und die Teilnahme an den Fina-Grand-Prix in Rostock nächste Woche sowie in Moskau eine Woche darauf sind ein schönes Trostpflaster. ,,Ein Sprung vom Einer hat im Vorkampf und Halbfinale leider nicht so geklappt, das waren die Punkte, die fehlten.“
Ausgerechnet der Auerbachsalto
Und es war ausgerechnet der eineinhalbfache Auerbachsalto, dabei ,,ist das einer meiner Lieblingssprünge". Der Grund, warum sie zweimal überdrehte, könnte darin liegen, dass sie vielleicht schon ein wenig zu gut dafür ist. Uschi Freitag springt als einzige Deutsche bereits den zweieinhalbfachen Auerbachsalto, mit dem sie sich im Finale dann auch die nötigen Punkte für Silber zurückholte. Ihre gute Form erklärt sie mit einem ausgeklügelten Training, mit dem sie Kraft und Kondition verbessert hat und zudem — das war ihr vom Bundestrainer oft angekreidet worden — eine sportlichere Figur hat. ,,Mein ganz großer Dank gilt Andreas Becker", stellte sie die vorzügliche Arbeit ihres Trainers ausdrücklich in den Vordergrund.
Der Gelobte weilt derzeit in Halle, wo er seine jüngeren Schützlinge bei der Jugend-DM betreut. Wie Benedikt Donay, auch wenn hinter dessen Start am Freitag noch ein Fragezeichen steht. Der war am Montag im Training auf dem Turm ausgerutscht und hatte sich den Zeh verletzt. ,,Derzeit trainiere ich nur an Land, mal sehen, wie es Freitag aussieht", ärgerte sich der 16-Jährige ein wenig. Denn bei der DM der ,,Großen“ hatte er mit Platz 4 vorn Turm und Bronze vom Ein-Meter-Brett auf sich aufmerksam gemacht. ,,Da fehlten nur eineinhalb Punkte zu Silber", sagt er mit berechtigtem Stolz und fügt seufzend hinzu: ,,Für die Jugend-DM hatte ich mir so viel vorgenommen.“,,lch denke, dass Benedikt springt", ist Andreas Becker optirnistischer. ,,Er hat in Berlin eine gute Leistung gezeigt und kann sich in Halle für den Jugend-Länderkampf qualifizieren.“
Johannes Donays Verletzungspech
Ein wenig Pech hatte Benedikts älterer Bruder Johannes, der zusammen mit Norman Becker Silber im Turm-Synchronspringen gewann. Nach einer hartnäckigen Grippe hatte er erst drei Tage vor der DM wieder mit dem Training begonnen. ,,Dabei habe ich mir den Trizeps gezerrt. lm Synchron-Wettkampf wurde es dann schlimmer“, erklärt der 18-Jährige, der daher vom Brett nicht die gewohnte Leistung brachte und Vorsorglich auf Turm-Einzel verzichtete, um seinen Synchronstart mit Norman in Rostock und Moskau nicht zu gefährden.
Die Grand-Prix-Starts sind auch ein kleiner Trost für Norman Becker, der knapp die erforderlichen Punkte für eine EM-Nominierung verpasste. Nach Platz 3 im Turmvorkampf war es im Halbfinale (Rang 7) nicht so gut gelaufen. Und wieder war es der dreieinhalbfache Auerbachsalto, der seine Träume zerstörte. ,,Vorkampf und Halbfinale waren gleich nacheinander. Und da hat wohl meine Konzentration gelitten. Das waren die Punkte, die für Turin fehlten“, bedauert der 24-Jährige, der sich im Finale als Titelverteidiger hinter dem Olympia-Neunten Patrick Hausding (Berlin) doch noch Silber sicherte.
Mit Platz 7 vom Drei-Meter- Brett meldete sich Philipp Becker nach zweijähriger Pause zurück. ,,Philipp hatte psychische und koordinative Probleme, und wir mussten ihn lange wieder aufbauen", erläutert sein Trainer. ,,Lange waren wir nicht sicher, ob er künftig würde Wettkämpfe bestreiten können.“ Doch der 20-Jährige Student an der DSHS Köln griff mit einer sehr guten Leistung wieder ins Geschehen ein.
Noch nicht auf Leistungsniveau
Noch nicht auf seinem vollständigen Leistungsniveau ist Christian Lulinski, der wie Pavlo Rozenberg seit Oktober beim Bund ist und bis Dezember den Grundwehrdienst ableistete.
Rang 4 bzw. 7 verbuchte Kristina Schindler von den Brettern, punktermäßig lag die 18-Jährige aber deutlich hinter Freitag. Mit einer ,,ordentlichen Punktzahl, aber ohne große Konkurrenz" verbuchte My Phan im Brett—Synchronspringen mit ihrer Berliner Partnerin Kieu Duong Silber. Gut bei den Erwachsenen hielt auch Swenja Roderburg mit. Für beide ist aber die morgen in Halle beginnende ]ugend-DM wichtiger.
ERGEBNISSE
Männer, 1m: 1. Michael Annas (Berlin), … 3. Benedikt Donay 349,0; 5. Christian Lulinski (beide Neptun Aachen) 330,40
3 m: 1. Patrick Hausding (Berlin) 469,30; 2. Sascha Klein 467,50; 3. Pavlo Rozenherg 459,50; . . . 7 Philipp Becker 374,75; 9. Christian Lnlinski 357,70; im Halbfinale ausgeschieden: B. Donay 262,80; im Vorkampf ausgeschieden: Johannes Donay (alle Aachen) 294,70
Turm: 1. Hausding 486,60; 2. Norman Becker (Aachen) 410,70; . . . 4. B. Donay 378,45
3-m-Synchron: 1. Klein/Rozenberg 438,87, . . . 3. Lulinski/Enrico Barthel (Aachen) 327,12
Turm-Synchron: 1, Klein/Hausding 432,30; 2. N. Becker/Johannes Donay 366,03
Kombination: 1. B. Dunay 21
Frauen, 1 m: 1. Katja Dieckow (Halle) 267,75; 2. Uschi Freitag 262,80; ... 4. Kristina Schindler 225,80; im Halbfinale ausgeschieden: My Phan 220,35; Swenja Roderburg alle Aachen) 218,0
3 m: 1. Dieckow 307,10; 2. Freitag 300,10; . . . 7. Schindler 227,55; B. Roderburg 202,80; im Halbfinale ausgeschieden: Phan 214,50
Turm: 1. Nora Subschinski (Berlin) 375,30 (keine Aachenerin am Start)
3-m-Synchron: 1. Subschinski/Diecknw 299, 70; 2. Kieu Duung (Berlin}/Phan 258,27
China plant Profiliga noch in diesem Jahr
Zhou Jihong, Chinas Cheftrainer im Wasserspringen, bestätigte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua Pläne, wonach in China noch in diesem Jahr die erste Profiliga im Wasserspringen initiiert werden soll.
„Die Profiliga wird definitiv noch 2009 ihre Premiere haben", sagte Zhou. Die Olympiasieger und Weltmeister gehören im Reich der Mitte zu den bestbezahlten und bekanntesten Sportlern.







